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VORTRAG & PRAXIS Artur Ellers · 30. September 2026

Von 20 % Sorge auf 3 %: Was 60 Unternehmer in Blaufelden über KI gelernt haben

Artur Ellers spricht vor rund 60 Unternehmern im vollen Saal in Blaufelden
Voller Saal in Blaufelden: rund 60 Unternehmer aus 20 Branchen beim Vortrag „Klarer sehen“.

Am 29. September war der Saal in Blaufelden voll. Rund 60 Unternehmerinnen und Unternehmer aus etwa 20 Branchen, von der Zimmerei über die Landtechnik-Werkstatt bis zur Apotheke, wollten wissen, was hinter dem Hype steckt. Eingeladen hatten der BdS Blaufelden und die Gewerbevereine der Region.

Angefangen haben wir mit einem Spiel: echte Fotos neben bearbeiteten. Die Kirche mit der zusätzlichen Empore, der Spaziergang mit dem Hund, den es nie gab. Die meisten lagen daneben. Genau darum ging es: Auf das eigene Auge kann man sich nicht mehr verlassen. Die wichtigste Frage lautet heute: Wo kommt das her?

Was die Betriebe wirklich nervt

Über drei Live-Umfragen per Handy haben wir den Abend begleitet. Die meisten Gäste führen Betriebe mit 2 bis 9 Leuten, und die Antwort auf die Frage nach der nervigsten Büroarbeit war eindeutig: 62 % nannten Dokumentation und Nachweise.

62 %
der anwesenden Betriebe nannten Dokumentation und Nachweise als ihre nervigste bürokratische Belastung im Arbeitsalltag.

Ein zweiter Wert hat viele nachdenklich gemacht: 38 % sagen, das Wissen ihres erfahrensten Mitarbeiters steht nirgends. Es steckt in seinem Kopf. Fällt er aus, fehlt es.

38 %
bestätigen: Das kritische Kernwissen ihres erfahrensten Mitarbeiters ist nirgendwo dokumentiert und geht bei Ausfall verloren.

Zwei Tipps, die sofort helfen

Die Programme wollen euch gefallen

Sie sind darauf trainiert, Zustimmung zu bekommen. Wer seinen Streit mit dem Chef schildert, hört schnell „Du bist im Recht, wehr dich!“, und das kann den Job kosten. Besser neutral fragen, nach Für und Wider, oder die Gegenseite spielen lassen.

Noch besser: einmal einrichten und vergessen. Fast jedes dieser Programme hat in den Einstellungen ein Feld für persönliche Anweisungen, das für jedes Gespräch gilt:

Vorlage: Persönliche Anweisungen
„Antworte sachlich, ehrlich und direkt. Schmeichel mir nicht und gib mir nicht automatisch recht. Wenn etwas schwach ist, sag es deutlich. Trenne Fakten von Vermutungen und sag mir, wenn du dir unsicher bist. Kurze, klare Antworten.“

Gute Ergebnisse brauchen eine gute Anleitung

Live haben wir eine Stellenanzeige für einen Malergesellen schreiben lassen. Ohne Anleitung kam das übliche „dynamische Team“. Mit der Formel Rolle, Aufgabe, Kontext und Format kam eine Anzeige, die ein Geselle tatsächlich lesen würde. Und der beste Trick überhaupt: „Stell mir die Fragen, die du noch brauchst.“

Die Live-Demo: Internet aus

Dann kam der Moment, auf den viele gewartet hatten. Vor allen Augen haben wir das WLAN am Laptop ausgeschaltet. Darauf: ein erfundener Malerbetrieb mit Preisliste, Reklamationsleitfaden und Baustellenberichten, und ein Sprachmodell, das komplett auf dem Laptop läuft. Drei Fragen:

Prompt / Frage 1 offline

„Was kostet bei uns der Wandanstrich innen pro Quadratmeter, und was ist nicht im Preis enthalten?“ Die Antwort kam aus der eigenen Preisliste.

Prompt / Frage 2 offline

„Frau Yilmaz schreibt, der Schimmel ist zurück, und will eine kostenlose Nachbesserung. Schreib einen Antwortentwurf nach unserem Reklamationsleitfaden.“ Kundendaten und interner Leitfaden, genau das, was die Gäste vorher als tabu genannt hatten.

Prompt / Frage 3 offline

„Herr Fischer will seine Fassade noch vor Weihnachten gestrichen haben. Was sagen wir ihm?“ Eine Antwort, die sonst nur der Chef aus dem Kopf geben kann.

Etwas langsamer als die großen Online-Programme, ja. Aber nichts davon hat den Raum verlassen. Das Modell kam übrigens von Google und lief trotzdem nur auf diesem Laptop. Datensouveränität heißt nicht nur, woher ein Modell stammt, sondern wo es läuft. Oder kurz: Eigentum heißt, selbst den Schlüssel zu haben.

Vorher und nachher

Zu Beginn überwog bei 20 % die Sorge, am Ende nur noch bei 3 %. Die Hoffnung stieg von 14 auf 25 %. Für einen reinen KI-Hype hielt es zu keinem Zeitpunkt jemand.

20 % → 3 % -85 % Sorge

Zu Beginn des Abends überwog bei jedem fünften Unternehmer die Sorge. Nach der Demonstration sank der Anteil auf gerade einmal 3 %.

Und nach der Demo die Frage, wo die Firmendaten in Zukunft liegen sollen: 58 % wollen sie auf einem eigenen Rechner im Haus, 14 % bei einem europäischen Anbieter. Beim amerikanischen Anbieter, selbst in der sauber eingerichteten Business-Version: niemand.

58 %

wollen Firmendaten auf einem eigenen Rechner im Haus betreiben.

0 %

wollen sensible Unternehmensdaten bei einem US-Cloud-Anbieter speichern.

Was wir mitnehmen

Die ehrlichste Rückmeldung kam in der letzten Umfrage: zu wenig Praxis. Das nehmen wir ernst. Deshalb arbeiten wir an Praxis-Workshops in kleiner Runde, am eigenen Beispiel, zum Mitmachen statt Zuhören. Erstes Thema: Dokumentation per Sprache.

Ein großes Dankeschön an den BdS Blaufelden und die Gewerbevereine der Region, an alle, die den Abend organisiert haben, und an die Gäste für die vielen guten Fragen.

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